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Statt Jubiläumssekt Spende für die Theatertreppe

Barth – Knall. Peng. Wums. Krrrch. Polter. Steine fliegen durch die Luft, ziehen eine gewaltige Staubwolke hinter sich her. Die Wand ist durchbrochen, das Loch ist bereit für die Tür. Die Tür zur Treppe.

Theaterlärm, doch nach dem Krawall fällt kein Vorhang, rauscht kein Beifall. Das ist keine Inszenierung mit Poltereffekten und der geliebten Nebelmaschine. Das ist echt. Die Arbeit für die inzwischen wohl berühmteste Nottreppe eines Theaters geht voran.

Ende November des Vorjahres war der Aufruf für eine Spendenaktion gestartet: "Was jetzt fehlt, ist eine Sicherheitstreppe, die vom Balkon aus über den Anbau ins Freie führen muss", sagte Theaterleiter Martin Schneider (34) damals. Zu lesen war, dass die weitere finanzielle Förderung für den notwendigen Garderobenanbau und die Heizung nur gewährt wird, wenn die gesetzlich vorgeschriebene Treppe und damit dieser weitere Fluchtweg installiert ist.

Seither füllt sich langsam, aber beständig das Spendenkonto. Viele Theaterfreunde geben einen Obolus. Und so konnte vor wenigen Wochen in Zeitungen und in den sozialen Medien berichtet werden: „Der Mauerdurchbruch ist begonnen. Ein Träger hat bereits die richtige Position erhalten, nun entsteht das Loch für die Tür. Die Folienabspannung auf dem Balkon verhindere, dass der Bauschmutz in den Saal fliegt, erläutert Daniel Selig. Der 30-jährige junge Mann ist der Techniker im Haus, nicht nur für Licht und Ton, sondern im Moment auch für den Treppenanbau mit zuständig. Wichtig sei, dass der Vorstellungsbetrieb nicht behindert wird, betont Petra Techow, die für die Öffentlichkeitsarbeit und für vieles andere im Haus verantwortlich zeichnet. André Schmidt (40) hat den Hut auf bei der Treppeninstallation: Der Durchbruch müsse jetzt geschafft werden, die Fluchttür kommt, dann könne außen die eigentliche Treppe befestigt werden. Das sei ein komplexes Programm, das da baumäßig abgespult werden muss.“

In diesen Märztagen war dann der große Tag gekommen. Martin Schneider (alias Egon Olsen in der Inszenierung des zweiten Teils der Olsenbande) gab das Signal. Zwar nicht mit Dynamit, dafür aber mit Muskelkraft und entsprechender Technik wurde die Öffnung geschaffen. Für die letzten Arbeiten am Durchbruch legte Landvermesser Ulrich Zeh aus Barth mit Hand an. Nur für die Reporterkamera agierte er mit Hammer und Meißel. Aus gutem Grund: Zeh, dessen Vermessungsbüro im April seinen 25. Geburtstag feiert, hatte die Idee, sein Firmenjubiläum nicht mit Büffet und Empfang zu feiern, sondern die dafür geplanten 1000 Euro zu spenden. Seine Mitarbeiterin Martina Copp brachte das Barther Theater ins Spiel. Sie hatte die Berichterstattung über die Nottreppe verfolgt. Zeh stimmte sofort zu: „Theater finden wir toll, das unterstützen wir gern“, meinte Ulrich Zeh vor der Übergabe des Geldes. Im Gespräch zwischen dem Theaterchef Schneider und dem Firmenchef Zeh ergaben sich zudem Gemeinsamkeiten. Schneider wollte nämlich ursprünglich Landschaftsarchitektur studieren, machte dabei auch Praktika bei Geodäten, also Landvermessern. „Das war dann aber doch nicht so mein Ding“, gab Martin Schneider zu. Er wechselte ins Schauspielfach. Zeh dagegen etablierte seine Kenntnisse derWissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche in der Region und darüber hinaus.

„Der Treppenanbau liegt im Zeitplan“, erklärt Martin Schneider. Weitere Spenden werden natürlich gern entgegengenommen. Und der 1000-Euro-Stifter Ulrich Zeh ergänzt: „Ich werde nun wohl auch mal öfter ins Barther Theater gehen“. Zum Beispiel in die „Olsenbande II“. Da knallt und zischt es auch mächtig gewaltig. Und die Nebelmaschine auf der Bühne läuft auf vollen Touren.

Wer helfen möchte - die Spendendaten:
Kontoinhaber: Vorpommersche Landesbühne GmbH
IBAN: DE42 1505 0500 0430 0059 46
Verwendungszweck: Theatertreppe Barth 

 

Text und Foto: Hans-Joachim Meusel (Landvermesser Ulrich Zeh übergab erst 1000 Euro und agierte dann für den Fotografen am Durchbruch für die Theater-Nottreppe)